Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne*

* ist ein Zitat, leider weiß ich grad nicht von wem – wer hilft mir da weiter? 🙂

pb

Jeder Anfang beginnt mit einer Idee, einem Traum, einer Phantasie, einem Gedanken, vielleicht nur einem Wort. Jeden Tag kann ein neuer Anfang gemacht werden.

Viele Menschen nehmen den Jahreswechsel zum Anlass über ihr Leben nachzudenken und darüber, was sie FAIRändern möchten.
Der Möglichkeiten gibt es viele – träum Dich doch einfach mal hinein. Stell Dir vor, Du hättest die FAIRänderung bereits umgesetzt. Wie fühlst Du Dich damit? Was ist damit anders? Ist es so gut, oder doch lieber etwas variieren?

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Geh hinein in diesen Zauber, koste ihn aus, lass ihn auf Deiner Zunge zergehen und leite ihn zu Deinem Herzen. Geh achtsam damit um. Zauber sind immer auch zerbrechlich. Und scheu. Wenn Du sie nicht beachtest, fliegen sie wieder davon. Deswegen lass die Tür zu Deinem Herzen immer mindestens einen Spalt breit geöffnet. Zauber brauchen keine breiten Durchgänge, sie wollen aber willkommen sein. Wenn Du sie in Dein Herz läßt und ihnen einen warmen Platz anbietest, bleiben sie vielleicht ein wenig länger. Zauber finden Dich am besten in Deinen Träumen. Wenn Deine Phantasie Purzelbäume schlägt und Dein Herz Achterbahn fährt, dann kann es gut passieren, dass ein Zauber vorbeischaut und sich über Deine Lebendigkeit freut. Das Lebendige zieht sie an. Nicht nur das wilde Lebendige, auch das Ruhige. Wenn Du ihn aller Ruhe eine Blüte betrachtest oder den Sonnenuntergang beobachtest, wenn Du in Deiner Hängematte liegst oder auf der Schaukel sitzt, immer dann hast Du gute Chancen Besuch zu bekommen. Du brauchst es nur zulassen.

Komm gut in das neue Jahr! Bei Kerzenschein und schöner Musik. Bleib (oder werde) gesund und munter.

Sei frei und wild und wunderbar (Astrid Lindgreen).

Die Amsel und die Nachtigall

FAIRändern_1_VOREines Tages setzte sich eine Amsel in den Baum, der dem Käfig der Nachtigall am nächsten stand. Lange hörte die Amsel einfach nur dem schönen aber traurigen Gesang der Nachtigall zu.
Dann fragte sie: „Warum ist Dein Gesang so traurig?“
Die Nachtigall erschrak ein wenig – noch nie ist sie von einem anderen Vogel angesprochen worden. Nachdenklich schüttelte sie leicht den Kopf: „Ich weiß es nicht. Ich habe ja alles. Ich habe ein schönes Zu Hause, ich habe immer genug zu essen und wenn es kalt ist, wird mein Käfig in das warme Haus gestellt.“
Die Amsel hüpft ein wenig näher und betrachtet den Käfig. Er ist sehr schön. Er ist recht groß und seine Stäbe leuchten golden in der Sonne. Es gibt Äste zum bequemen Sitzen, Moos für ein weiches Nest und genügend zu Essen. Aber die Gitterstäbe sind zu eng um hindurchzuschlüpfen. Dann gibt es noch eine große Tür, die mit einem einfachen Riegel verschlossen ist.
„Bist Du schon mal in den Himmel geflogen?“ Fragte die Amsel? „Wie kann ich denn in den Himmel fliegen? Nein, nur im Zimmer meiner Menschen fliege ich manchmal. Bist Du schon in den Himmel geflogen? Wie ist das da so?“
„Oh, es ist wunderschön, alles auf der Erde sieht so winzig aus. Du spürst den Wind unter deinen Flügeln und bist frei. Ok, Du musst schon etwas aufpassen, dass kein Raubvogel in der Nähe ist. Wenn Du in den Himmel fliegst, dann bist Du schwerelos. Du hast das Gefühl, die ganze Welt gehört Dir und Du kannst alles tun, was Dir so einfällt.“
„Ja, das klingt schön. Aber ist es nicht sehr gefährlich? Und hast Du auch so einen schönen Käfig wie ich?“
Die Amsel kichert leise. „Nein, ich habe keinen Käfig. Ich habe einen Tempel, manchmal liegen dort Edelsteine auf dem Boden, es gibt Spiegel, die sind so groß, dass Du deren Ende gar nicht sehen kannst. Und die Wände sind aus einem wunderschönen grün. Aber ja, manchmal ist es auch gefährlich. Aber so ist das Leben. Wenn Du lebst, dann gehst Du auch Risiken ein. Du kannst unglücklich landen und Dir Deinen Fuß oder gar einen Flügel verletzen. Da musst Du schon aufpassen. Genauso musst Du achtsam sein, damit Du nicht gefangen und gegessen wirst. Aber die anderen Vögel helfen Dir dabei – hör nur genau hin, sie warnen Dich vor Räubern.“
„Dann bist Du ja unermesslich reich – Edelsteine auf dem Boden, wo gibt es denn so etwas? Vor den Gefahren habe ich große Angst, da ist mir mein Käfig sehr lieb, er ist mir vertraut, er ist sicher, hier kann mir nichts passieren.“
Freundlich schaut die Amsel die Nachtigall an. „Ja, Deine Angst kann ich verstehen. Dennoch solltest Du einen Versuch wagen, einmal wirklich fliegen. Und Deine Artgenossen kennen lernen – hast Du keine Sehnsucht nach einem Partner?“
Die Nachtigall träumt mit offenen Augen „Einmal richtig fliegen.“ Gedankenverloren schaut sie aus ihrem goldenen Käfig und fragt sich, wie das wohl wäre, richtig fliegen. Und was hat die Amsel da von einem Artgenossen gesagt? Gibt es etwa noch andere Nachtigallen? Hier in der Gegend? Hatte sie nicht letztens einen Gesang gehört, der dem ihren ähnlich war? Sie hatte es für eine Sinnestäuschung gehalten. Aber wenn die Amsel davon sprach – sie könnte es ja wissen. „Wie meinst Du das mit Partner? Leben hier andere wie ich?“
„Ja, hast Du sie noch nie gehört? Es ist gar nicht weit von hier. Vielleicht hast Du sogar schon einmal eine gesehen.“ Die Amsel überlegt, wie sie die Sehnsucht der Nachtigall noch etwas mehr füttern kann. Ob sie ihr von ihren eigenen Erfahrungen berichten soll? Ob sie ihr davon erzählen soll, wie sich der Frühling anfühlt, wenn die Bäume und andere Pflanzen ihre Blüten öffnen und deren Duft köstlich die Luft erfüllt. Oder davon, was Liebe wirklich bedeutet? Soll sie ihr sagen, dass ihre Menschen sie nicht lieben? Denn würden sie sie lieben, würden sie sie doch nicht einsperren. Dass Liebe mehr bedeutet als Paarung und Kinderaufzucht. Dass die Liebe in allem steckt, was in der Natur kreucht und fleucht und wächst. Im kleinsten Käfer genauso wie in den großen Bäumen in denen es sich so himmlisch schlafen lässt. Dass Vogel sich natürlich ernähren muss, aber niemals ein anderes Tier einfach so töten darf, denn jedes Leben ist ein kleines Wunderwerk, welches sonst unwiederbringlich verloren geht. Dass es sogar Menschen gibt, die dies spüren und z.B. Regenwürmer von diesen vermaledeiten Straßen sammeln um sie wieder auf freiem Boden abzulegen.
Fragend schaut die Nachtigall die Amsel an.
„Was denkst Du gerade? Warum redest Du nicht mehr mit mir?“ Die Amsel entschuldigt sich. „Ich überlegte nur, wovon Du träumst? Was ist Dir wichtig, was möchtest Du mal tun?“
„Das sind schwierige Fragen. Ich kenne ja nichts anderes als meinen Käfig und das Zimmer. Ich weiß gar nicht wie das ist im Wind zu fliegen. Vielleicht würde ich das gerne einmal ausprobieren. Es wäre bestimmt auch interessant andere Nachtigallen kennen zu lernen. Könntest Du nicht mal welche mit hierherbringen?“
„Nein, die anderen Nachtigallen haben Angst vor den Menschen. Sie sind zwar nicht alle böse, aber das siehst Du ihnen nicht immer rechtzeitig an. Daher halten die meisten von uns Tieren lieber Abstand. Nur zu ganz wenigen Menschen, die wir lange beobachtet haben fliegen wir hin. Aber das Fliegen ausprobieren, das ist kein Problem. Ich kann Deinen Käfig öffnen und dann brauchst Du nur herauszukommen. Dann kann ich Dich auch zu den Anderen bringen.“
Zögernd hüpfte die Nachtigall auf die Stange vor der Tür. Unsicher beäugt sie den Riegel. „Du kannst diese Tür öffnen?“
„Du kannst sie sogar selber öffnen. Du musst es nur wollen. Du brauchst nicht darauf warten, dass jemand anderes Dein Leben lebt, Du kannst es selber tun. Du kannst Lieben, Leben, Lachen und verrückte Sachen machen! Wie meine Oma zu singen pflegte.“
„Lieben, Leben, Lachen – das klingt schön! Verrückte Sachen machen, ich weiß gar nicht, wie das geht?“
„Ach, das kommt schon ganz von allein, da mach Dir mal keine Sorgen, wenn Du erst mit einer dieser vier Feiern begonnen hast, dann folgen die anderen automatisch! Du kannst gar nicht Lieben ohne zu Leben oder zu Lachen. Und wenn Du erst Lebst, dann machst Du auch verrückte Sachen. Nur die, die lebendig tot sind, tun das nicht.“
Das Glitzern in den Augen der Nachtigall strahlt mittlerweile mit der Sonne um die Wette. Mit einem letzen Schritt geht sie auf die Tür zu und pickt entschlossen an dem Riegel herum. Schon lange hat sie ihre Menschen beobachtet und gesehen, wie er aufgeht. Nach wenigen Minuten – der Riegel ist gar nicht so leicht von innen zu öffnen – ist die Tür sperrangelweit offen. Nur noch ein kurzer Flug und sie sitzt neben der Amsel.
„Wer bist Du eigentlich? Und warum bist Du zu mir gekommen? Und was machen wir jetzt?“
„Lass uns ein paar Proberunden fliegen, dann zeige ich Dir, wo die anderen Nachtigallen leben. Ich bin Deine Seele und ich bin immer bei Dir. Ich bin Dein Herzklopfen, wenn Du von ihm träumst. Ich bin Deine Neugier, wenn Du den Blütenduft nur aus der Ferne riechst. Ich bin die Trauer in Deinem einsamen Gesang. Ich bin die Wut auf dieses falsche Gold. Ich bin die Sehnsucht nach dem Leben. Ich bin Deine Begleiterin bei all Deinen kommenden Abenteuern. Und ich werde Dich auffangen, wenn Du einmal stolperst oder wenn Du einen Traum verlierst. Ich werde mit Dir weinen, wenn Du traurig bist und werde mit Dir lachen, wenn Du fröhlich bist. Und nun komm. Lass uns gemeinsam unsere ersten Abenteuer bestehen.“